Gemeinsamer Werteunterricht von Migrantenkindern und Deutschen – Warum nicht? Vorherige Deutschkurse dennoch wichtiger!

Landtag Sachsen

Die Chefs der Unionsfraktionen von Bund und Ländern wollen heute in Frankfurt am Main ein Positionspapier beschließen, das Werteunterricht für Kinder von Migranten vor Beginn der ersten Klasse vorsieht. Ziel sei es, „Flüchtlingen die Werte und Grundregeln unseres Rechtsstaates zu vermitteln“, so das Papier. Sachsens CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Kupfer sagte der „Freien Presse“, ein klares Bekenntnis zum Grundgesetz sei „notwendig, wenn jemand hier leben möchte“. Kritiker bemängeln die einseitige Ausrichtung auf Kinder von Flüchtlingen. Erik Bußmann, Geschäftsführer des Landesschülerrates Sachsen, sagte, auch deutsche Kinder hätten Nachhilfe in demokratischen Grundwerten nötig.

Uwe Wurlitzer, MdL der Blauen Partei, Mitglied im Innenausschuss des Sächsischen Landtages, dazu:

„Bevor sich Kinder aus Flüchtlingsfamilien um unsere Werte kümmern, müssen sie unsere Sprache lernen. Verpflichtende Deutschkurse mit Zwischen- und Abschlussprüfungen sollten grundsätzlich jedem Flüchtling auferlegt werden, der hier eine Zukunft sehen will. Die Prüfungen sollten bewusst nicht so gewählt werden, dass – überspitzt formuliert- auch Analphabeten sie schaffen können. Ein gewisses Niveau ist unabdingbar, um jene auszusieben, die unsere Sprache nur wegen eines Aufenthaltstitels lernen würden. Wer sich wirklich um Integration bemüht, wird auch Hürden überspringen. Ein ‚Durchwinken‘ durch den Unterricht wäre für die Höhe der Absolventenzahlen vielleicht eine gute Sache, aber würde nichts über die tatsächliche Lern- und Integrationswilligkeit der Schüler sagen.
Erst dann könnte ein Werteunterricht durchaus ein probates Mittel sein, um den Ankommenden beizubringen, wie sie sich hier zu verhalten haben. Allerdings wäre es wohl sinnvoller, nicht nur Nachhilfe in Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu geben, sondern auch die in diesem Land üblichen Höflichkeitsformen zu vermitteln. Und da leider auch Einheimische ein einfaches ‚Bitte‘ und ‚Danke‘ immer mehr vermissen lassen, wäre ein gemeinsamer Werteunterricht nicht die schlechteste Wahl.“

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